„Randnotizen“ – ein satirischen Beitrag über das Leben und Leiden eines Fußballfans des FC Lauchhammer.

Hier berichtet unser Gastautor Frank regelmäßig von seinen Erlebnissen rund um die Spiele des FC Lauchhammer. Dabei nimmt er nicht nur das sportliche Geschehen auf dem Platz unter die Lupe, sondern auch das “Drumherum”: die Stimmung im Stadion, die kulinarischen Angebote, die skurrilen Begegnungen mit anderen Fans und vieles mehr. Er berichtet mit einem Augenzwinkern von seinen Erlebnissen und Eindrücken rund um den FC Lauchhammer. Viel Spaß beim Lesen!

Freibier

Der FC Lauchhammer lud zum Saisonfinale ins Waldstadion ein. Die erfolgreiche Saison sollte traditionsgemäß mit Freibier gefeiert werden. Freibier für Alle! Juhu! Freibier, was für eine zauberhafte Wortschöpfung. Freibier, was für eine revolutionäre Erfindung. Freibier lockt Millionen in Stadien und überall hin, weltweit.

Freibier, dieses magische Gebräu, welches einem doppelt so schnell durch die Kehle rinnt, wie normales Stadionbier … bis die Quelle versiegt. Freibier, der phonetische Klang des Wortes alleine zieht sogar Leute an, die Fußball für eine motorische Erkrankung oder eine Erfindung der Orthopädie halten. „Was hat der da am Fuß?“ „Ach, das ist nur ein Fußball, das geht nicht mehr weg, aber es gibt spezielle Schuhe dafür. Damit kann man gut leben.“

Ich stellte mir vor, wie es mit Freibier im Waldstadion sein würde. Vor meinem geistigen Auge spielten sich unglaubliche Szenen ab. Ich sah eine Schlange vom Bierstand quer durch alle Stadtteile von Lauchhammer. Ganz Lauchhammer war auf dem Weg zum Bierstand des FC Lauchhammer. 30 Grad im Schatten und alle wollten nur dieses Freibier! Das Rote Kreuz verteilte Wasserflaschen. Direkt vor meiner Haustür konnte ich mich anstellen. Was für ein episches Gefühl. Es bildeten sich Skat- und Knackrunden um die Wartezeit zu verkürzen. Eine euphorische Stimmung wie im November 89.

Es sprach sich in Windeseile bis in umliegende Ortschaften herum, dass es beim FC Lauchhammer Freibier gibt und so reisten Kolonnen von Autos in Richtung Waldstadion. Nichts ging mehr in und um Lauchhammer. Die Dämmerung brach herein und es wurde langsam frisch. Das Rote Kreuz verteilte jetzt Decken.

Schweißgebadet erwachte ich aus meinem Tagtraum und mein Blick streifte den Familienplaner an der Wand…oh Schreck… für diesen Tag war eine Feier eingetragen. Der Wellensittich vom Onkel meiner Tante hatte runden Geburtstag. Das geht natürlich vor. Ich war hin-und hergerissen, wie erkläre ich in 53 Jahren meinen Urenkeln, warum ich mir damals das Freibier entgehen ließ. Schau`n mer mal.

Fazit: Familie hat oberste Priorität, aber Freibier ist die beste Idee, mal darüber nachzudenken, ob ich Fußball demnächst wieder zur Familie zähle, immerhin sieht man Fußball öfter, als einmal im Jahr die Familie beim Geburtstag. Jetzt ist erstmal Sommerpause, genießt die Zeit und erholt Euch gut! Bis die Tage. In alter Frische!